Ein geheimer Ort.

Sandra sitzt neben mir. Ein junges Mädchen. Ihre Arme sind über und über mit Narben bedeckt. Sie trägt schwarze Kleidung und das ist auch die Farbe, die ihr Seelenleben dominiert. S c h w a r z. Auch sie wird immer wieder in eine Parallelwelt gerissen. Abrupt und ohne Vorankündigung. Sie kann sich nicht dagegen wehren. Es fühlt sich an, als würde man von einem Zug überrollt.

E i n  f r e m d e s   L e b e n   s t r a n d e t    d o r t   w o  a u c h

m e i n e s   s t r a n d e t.  W i r  s i n d  w i e  T r e i b h o l z,

d a s  v o m   M e e r   n i c h t   l o s g e l a s s e n   w i r d.

D i e  W e l l e n  s p i e l e n   m i t   u n s.

S i e   s p ü l e n    u n s   a n,  n u r   u m   u n s   k u r z   d a r a u f

w i e d e r  z u r ü c k   i n   d i e   T i e f e n   z u  z i e h e n.

Sie hat ihr schwarzes Haar auf der rechten Seite hinter ihr Ohr gestrichen. Sie sitzt neben mir und erzählt ihre Geschichte. Ihre Augen suchen nach Halt, nach irgendeinem Punkt im Raum. Ihr Winter ist ein anderer, doch die Kälte ist die gleiche. Jedes Wort, das über ihre Lippen kommt, fährt mir unter die Haut. Diese andere Welt wird zu unserem Thema. Jeder Einzelne ist verstummt. Unruhige Blicke treffen uns. Spannung durchzieht den Raum. Der Rest der Gruppe verlässt den Raum. Die Therapeutin bittet uns zu bleiben. Am Ende der Sitzung finden wir uns allein wieder. Nur Sandra und ich. Dr. Lauterbach zieht ihren Stuhl zu uns herüber und sieht uns an. >>Ich möchte mit Ihnen zusammen einen Versuch starten.<< Die Therapeutin sieht mich mit einem mitleidigen Blick an. Sie erwartet bestimmt irgendeine Reaktion von mir. >>Imagination ist ein Verfahren, dass Ihnen dabei helfen kann, die Bilder, die sie verfolgen, an einen sicheren Ort zu bringen. Sie dort zu behalten, sie weg zu schließen und nur frei zu lassen wenn Sie es wollen, wenn Sie dazu bereit sind.<< Sie säuselt diese Worte mit einer für mich schon übertriebenen Zärtlichkeit. Zuviel Zärtlichkeit und Gefühl. Meine Gesichtszüge verkrampfen sich und mein Blick wandert zurück auf den Boden. >>Wenn Sie den Wunsch haben, bin ich bereit es mit Ihnen zu versuchen.<< Sandra nickt. Sie sieht zu mir herüber, ebenso die Therapeutin.

[…]

Ein Experiment.

Eine Reise.

Nur ein Anfang.

Advertisements