Paradoxon

Das Dilemma des Suchenden

Für manche Probleme gibt es wohl nur eine einzige Lösung. Möglichst schnell das Weite zu suchen. Es gibt ganz einfach kein Mittel gegen männliches Imponiergehabe, falschen Stolz oder fehlende Einsicht in Fehlwürfe. Zumindest keines, das von außen wirken könnte. Eine universelle Mixtur kann es auch gar nicht geben. Jeder von uns trägt die Zutaten mit sich spazieren. Manche sind uns bewusst, andere hingegen kaum aufzuspüren. Reife definiert sich auch über das Fortschreiten der jeweils eigenen Mixtur. Eine Mixtur von großer Bedeutung. Nicht zuletzt auch für das Öffnen einer ganz bestimmten Tür. Den Eintritt in die exklusive Zweisamkeit.

Das ist das Besondere an Beziehungen, manchmal sehen sie von außen hübscher aus als von innen. Der Schein kann trügen, er kann aber auch das wahre ‚Sein‘ bedeuten. Welcher Vogel fliegt wohl am höchsten und trägt einen aus fünf Buschstaben gewachsenen Halm in seinem Schnabel? Halm, der in den schillerndsten Farben leuchtet.

Mein Leben als Vollwertsingle hatte eine Halbwertzeit, soviel war klar. Ich bin kein glatt gelecktes Jüngelchen mehr. Was die schwule Welt anbelangt, so komme ich wohl langsam ins kritische Alter. Da muss man sich eine Menge einfallen lassen um nicht in der Versenkung zu verschwinden. In Bezug auf das schwule Treiben bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Versenkung aber nicht auch etwas Positives in sich birgt. Wer sagt, dass man Aufmerksamkeit nur im rosa Universum erhaschen kann?

Dieses ganze Gerangel um Präsentation und Akzeptanz. Das unbedingte begehrt werden wollen mündet doch letzten Endes nur in einem wahllosen Springen zwischen den verschiedensten Optionen. Hopping in Sachen Möglichkeiten. Wollte ich diese Art von Aufmerksamkeit überhaupt? Drehte sich nicht eigentlich viel zu viel um Oberflächlichkeiten? Zweifelsohne stand auch ich schon auf dieser ‚unbedingten Stufe‘ meiner Beziehungstreppe. Doch ich entschied mich dazu, das ‚un‘ vor dem ‚bedingt‘ aus meinem Leben zu streichen. Meine Sehnsucht lässt sich bedenkenlos in die Kategorie ‚fix‘ einordnen. So viel steht fest. Irgendwas bleibt unter Garantie auf der Strecke. Kalkül in Liebesdingen ist verdammt nochmal wie ein Spiel ohne Regeln. Nur der Kalkulierende zählt. Sex als Status und als Mittel der Reputation und Selbstbestätigung. Ist das nicht am Ende vollkommen wertlos? Ich habe meine Antwort auf diese Frage bereits gefunden. Für mich existieren nur noch zwei Optionen. Leidenschaft verpackt in der Schleife des ‚Du und Ich‘ oder aber mein Verzicht auf Leidenschaft. Asexuelle Aufmerksamkeit ist doch auch nicht zu verachten. Und sofern man einen Partner hat, sei es nun einer der Sorte ‚fix – er ist meiner‘ oder eben einer der Sorte ‚mal da, mal nicht da – aber der Sex ist Klasse‘, so kann man sich ja durchaus auch auf diese Art und Weise mit sexueller Aufmerksamkeit eindecken.  Alles eine Frage des Arrangements. Doch wie ist es um meine Sehnsucht nach eben dieser Aufmerksamkeit bestellt? Schlummert in mir das unbedingte Verlangen nach Aufmerksamkeit, ganz gleich welcher Art?

Lange Zeit zwang sich mir immer und immer wieder die Frage danach auf, wie lange ich dieses ‚fix‘ ignorieren kann. Wie lange ich meine Sehnsucht vertrösten kann und mich mit weniger fixen Begegnungen würde ablenken können. War dieses Anti-Fix mein neues Anti-Depressivum?

Die Exklusivität der Zweisamkeit ist längst mein Ziel der Ziele. Ganz gleich, ob ich gegen den schwulen Strom schwimme oder nicht. Ist mein Herauswachsen aus der schwulen Krabbelgruppe nicht auch von Vorteil? Ich denke der Vorteil überwiegt, ist klar und deutlich auszumachen. Nun heißt es mein ‚fix‘ zu schnappen und es zu meinem ganz persönlichen ‚fix‘ werden zu lassen. Ich denke die Zeit ist reif für mein ganz eigenes ‚fix‘.

Und um auf die Halbwertzeit meines Singledaseins zurückzukommen, so stelle ich mir die unterschiedlichsten Fragen. Es herrscht ein mittelgradig bis schwerer Single-Fragen-Tumult in meinem Kopf. Fragen beispielsweise danach, wie lang ich noch Single sein will und wann die Zeit reif ist für einen neuen Versuch in Sachen „Lass uns gemeinsam durchs Leben gehen“. Aber konnte es überhaupt den richtigen Zeitpunkt geben? Wie sollte ich wissen wann es an der Zeit war all die Zweifel bei Seite zu legen und den Unrat der Vergangenheit ein für alle Mal in die Tonne zu treten? Denn das wäre ja schlussendlich die Voraussetzung für das gute Gelingen eines Neuanfangs der Kategorie „Schatz“.

Würde es irgendwann ein anderes ‚Du und ich‘ geben? Und würde die Geschichte diesmal halten was das Cover verspricht?

[…]

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