Einklinken, ausklinken.

Dies schien mein Spiel zu sein, meine Masche, die Schiene die ich nun fuhr. Nicht zu viel von allem, aber auch nicht zu wenig. Ich wollte das Leben schmecken, es riechen und spüren. Alles wollte ich spüren. Alles und jeden. Jeden Mann. Ein gefährliches Spiel und ein schmaler Grat auf dem ich mich bewegte. Das Kribbeln auf der Haut hielt mich wach und machte süchtig. War dies die Ablösung? Löst nun eine Sucht die andere ab? Sex als Ersatzdroge, ich hatte mich noch zu entscheiden ob dies nun gut oder schlecht war. Fest stand nur, dass Sex keine Fahne hervorruft und bisher keinen Kater nach sich zog. Nacht für Nacht verbrachte ich im Chat, verschlang jedes Wort das mir geschrieben wurde und jedes Bild das ich zu sehen bekam. Es hagelte Verlinkungen, ich zählte die Tapsen, die von den anderen Usern auf meinem Profil hinterlassen wurden und ich zählte die Anzahl ihrer Besuche. Tausende von Männern trieben sich in diesem virtuellen Garten Eden herum. Mein kleines Paradies. War es das wirklich? Nach den emotionslosen, ja fast kalten Jahren meiner letzten Beziehung erfuhr ich nun etwas, was ich von Alexander nicht bekam. Komplimente, virtuelle Blumen für die ich keine Vase brauchte und sie dennoch zu einem bunten Strauß zusammengebunden in einen Raum stellte, der in diesen Zeiten einer grundlegenden Restaurierung bedurfte. Dieser Strauß brachte Farbe in diesen lang verschlossenen Raum, von dessen Wänden die Farbe bröckelte. Brachte Farbe in mein Herz. Nur ist es schwer, der Intention dieser blumigen Geschenke eine andere Note außer der sexuellen zuzugestehen. Was ich nun zählen konnte waren Einladungen. Der Wunsch dieser Männer mich leibhaftig gegenübersitzend, stehend oder eben liegend zu wissen. Wie damit umgehen? Sollte ich den Schritt wagen? Den Schritt raus aus den blauen Seiten und hinein ins wahre, ja ins pralle Leben? Sollte ich denen die Tür öffnen, wenn auch nur ein Stück weit. Nur so weit, dass ich sie problemlos und ohne große Anstrengung wieder schließen konnte? Schließlich nahm ich wieder die Suche nach meiner Tank-leer-Fahrt auf, die mich ans Ziel bringen sollte. War es womöglich an der Zeit, meine Suche und meine Sehnsucht ins Archiv zu verbannen? War ich in diesem Moment nicht drauf und dran meinen Wunsch Balance in mein Leben einziehen zu lassen aufzugeben? War es denn wirklich das was ich wollte?

[…]

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