L e b e, K i n d!

Um ein Fazit meiner letzten Lebensdekade zu ziehen, so komme ich nicht umhin mich vor Marc Aurel voller Ehrfurcht zu verbeugen. “Das Glück deines Lebens wird bestimmt von der Beschaffenheit deiner Gedanken.“ Über Jahrhunderte hinweg hat dieser Ausspruch nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt und doch kann ich nicht behaupten, dass diese Weisheit in jeder, ja ausnahmslos jeder Lebenssituation greift. Unsere Gedanken sind sehr wohl imstande unsere Geschicke zu lenken. Im positiven wie auch im negativen Sinne. Es kommt nicht von ungefähr, wenn man beispielsweise im Falle einer Verliebtheit zu hören bekommt, dass man strahlt, gut aussieht und eine ‚glückliche‘ Aura hat. Man ist glücklich und man strahlt dieses Glück aus. Alles scheint leichter von der Hand zu gehen. Kleine Widrigkeiten nimmt man mit einem Lächeln hin. Anders als Single, als genervter Single, wie ich einer bin. Da können einem die sogenannten kleinen Widrigkeiten des Alltags die Laune dermaßen verderben, dass der ganze Tag nicht zu gelingen scheint. Aber ich schweife schon wieder ab und lege eher ein Zeugnis meines ‚Liebes‘-Lebens als meiner letzten zwei Lebensdekaden ab. Nichtsdestotrotz gehört auch das zu meinem Leben und hat wie bereits gezeigt einen immensen Einfluss auf die Großpackung meines Lebens. Wenn nicht gar den größten. Bedenkt man die Katastrophe meiner letzten gelebten Liebe, so wird klar, dass mein Liebesleben die Kraft besitzt mich völlig aus der Bahn zu werfen und mein ‚übriges‘ Leben infrage zu stellen.

Liebe ändert alles und nicht zuletzt beeinflusst sie die Beschaffenheit unserer Gedanken. Liebe kann so vieles bewirken, beeinflussen und uns in unserem Leben bestärken. Uns in dem bestärken, was wir zu tun beabsichtigen. Vielleicht sogar eine Bestätigung liefern für den Weg den wir einschlagen und unter Umständen weiterzugehen gedenken. Doch sie kann auch zerstören, macht verletzlich, bringt uns dazu, unsere Schutzschilde runterzulassen. Sie hat wohl zwei Gesichter. Sie kann uns zweifeln lassen, uns gefangen halten und uns einen Spiegel vorhalten. Sie kann uns mit Leben erfüllen und uns dem Wahnsinn nahe bringen.

Kraft geben und Kraft rauben. Blühen und welken. Licht und Schatten. All dies liegt in ihrer Macht. Dies und noch viel mehr. Doch das alles in Abhängigkeit von so vielen Dingen. Dingen wie Selbstliebe; die Fähigkeit sich auf eine Beziehung, ja auf einen anderen Menschen einzulassen und das Leben miteinander teilen zu wollen; atmen zu können, auch wenn manches Mal eine Last auf dem Brustkorb zu liegen scheint. Sie ist imstande dich in wärmendes Licht zu hüllen und im nächsten Moment mit Hass zu erfüllen. Liebe kann alles bedeuten und doch so viel Nichts in sich tragen.

Es gibt doch kaum eine andere Macht welche einen so starken Einfluss auf unser Leben ausübt. Uns derart in ihrer Gewalt hat und unser Dasein mit derartiger Schönheit und Grausamkeit füllen kann. Es ist wohl tatsächlich die stärkste Macht überhaupt im Leben von uns Menschen.

Heute definiere ich Liebe anders. Auch das gehört wohl zum Erbe der letzten Jahre. Wenn du etwas wirklich liebst, dann lass es frei. Kommt es zu dir zurück, so gehört es zu dir. Bleibt es fern, so hat es nie zu dir gehört. Eine Lektion, welche sich nur schwer ertragen lässt. Wenn man jemand ist, der sein Leben über die Liebe und über die Dinge die man liebt definiert, so kommt das Freilassen einem waghalsigen Sprung in kaltes Wasser gleich. Unter Umständen bin ich einmal zu oft gesprungen. Habe mich versprungen oder das Wasser war zu kalt.

Es blieb stets fern.

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