| Es ist später Abend |

Das geschäftige Treiben auf den Straßen Leipzigs macht es einem schwer, die Beherrschung nicht zu verlieren. Der Feierabendverkehr schiebt sich aus allen Richtungen in alle Richtungen. Die Straßenbeleuchtung ist grell und spiegelt sich auf den Regentropfen wider, die einer an den anderen wie kleine Quallen auf der Windschutzscheibe tanzen. Ein kräftiger, gutaussehender Mann sitzt am Steuer des dunklen Mercedes. Neben ihm ein junges Mädchen mit blonden Haaren, dass von einer Schleife gebunden über ihre linke Schulter fällt. Sie hält einen Gegenstand in der Hand. Er scheint ihre ganze Aufmerksamkeit in Beschlag zu nehmen und sie genießt, es ihn zu drehen und zu wenden. Sie liebt es, ihn aus allen erdenklichen Positionen zu betrachten. Er funkelt und blinkt. Es ist ein Ring. Ein Geschenk ihres Vaters. Das Geschenk eines Mannes, dem nichts zu teuer ist, um seiner geliebten Tochter seine Liebe zu beweisen. Sie fahren gemeinsam durch diesen Abend und durch diese Stadt. Das Ziel dieses Mannes ist jenes so vieler Väter. Er will sein Kind wohlbehalten nachhause bringen. Er will es geschützt wissen und seinen Schatz behüten.

Dieses Kind sitzt neben seinem Vater und in seiner Welt ist er der beste Vater überhaupt. Sie fühlt sich wohl und geborgen. Fühlt sich geliebt und ein Stück weit auch wie eine Prinzessin. Seine Prinzessin. Wenn man so will, ist sie der Stein im Ring und er die Fassung die ihn hält. Dieser Ring in ihrer Hand ist ihr in diesem Moment das Liebste. Geziert von einem Stein, so rein wie die Träne eines Engels. Dieser Stein ist wie das Sinnbild meines Kindes, so mag dieser Mann denken und ich bin mir sicher, er ist davon mehr als überzeugt. Unter Umständen ist die Liebe zu diesem Kind auch der einzige Wärmequelle in seinem Leben. Die Schönheit dieses Steines strahlt bis in sein Innerstes und bringt Licht ins Dunkel seiner Seelenwelt. Selbstgewähltes Dunkel.

[…]

| Die Lakaien |


| Sklaven |