Disput mit der Wohnungstür.

Mit der Nacht kommt die Angst. Ich höre auf jedes Geräusch und werde unruhig, sobald sich im Haus etwas tut. Ich gehe in den Flur, bleibe kurz stehen und horche. Ist  dort  jemand? Mein ganzer Körper ist angespannt. Mein Blick fällt auf die Tür. Der Schlüssel steckt im Schloss. Unruhe macht sich in mir breit. Die Ungewissheit darüber, ob ich abgeschlossen habe macht mich wahnsinnig. Ich stelle mich vor die Tür und stemme meine Hände dagegen. Immer wieder die gleiche Bewegung. Ich drücke dagegen und lasse ab. Ich zähle wie oft ich das tue. Ich konzentriere mich völlig auf die Geräusche die von der Tür ausgehen. Mache eine Pause und wische mir den Schweiß von der Stirn. Mein Kater steht im Flur, er sieht mir dabei zu. Dass er da steht macht mich unsicher. Ich scheuche ihn weg. Brauche meine Ruhe für diese Aufgabe. Die Tür braucht meine ganze Aufmerksamkeit. Ich lege meine Hand an den Schlüssel und drehe ihn immer wieder um, bis zum Anschlag. Ich fange wieder an zu zählen. Doch kein Gefühl von Sicherheit. Ich kann nicht akzeptieren, dass diese Tür tatsächlich verschlossen ist. Erneut drücke ich mit beiden Händen und mit aller Kraft gegen die Tür. Dann drehe ich den Schlüssel wieder bis zum Anschlag herum. Ich führe Selbstgespräche. Versuche mich irgendwie zu beruhigen.  Es  ist  zu.  Ganz  ruhig.  Die  Tür  ist  zu.  Mehr  zu  geht  nicht! Meine Augen  wenden sich von der Tür ab. Ich atme hastig und mein Puls pocht in meinem Hals. Noch immer quält mich die Ungewissheit. Mein Blick fällt wieder auf die Tür. Meine Augen suchen den Türrahmen ab. Ich will sicher gehen, dass da kein Spalt zu sehen ist. Der Schlüssel steckt. Sie muss einfach zu sein. Ich habe sie ja selbst verschlossen. Würde sie nie unverschlossen lassen.  Nie  im  Leben. Zu groß ist die Angst, dass jemand diese Wohnung betritt. Und wieder greife ich nach dem Schlüssel. Ich vertraue mir selbst nicht.

Wo  ist  Alexander?  Er  sollte  jetzt  hier  sein.  Hier  bei  mir.  Dann  wäre alles  in  Ordnung.  Dann  müsste  ich  hier  nicht  stehen. Doch ich bin allein. Er ist nicht da. Er ist in Sicherheit und ich kämpfe gegen diese Tür. Muss alle Kraft aufbringen um die Dunkelheit draußen zu lassen. Ich drücke weiter gegen die Tür und drehe den Schlüssel immer wieder aufs Neue bis zum Anschlag. Meine Hände tun mir weh. Zeigefinger und Daumen werden blau. Der Schlüssel hat Abdrücke hinterlassen. Aber ich beiße die Zähne zusammen und mache weiter. Tränen laufen mir übers Gesicht. Soll ich anrufen. Mit irgendjemandem telefonieren? Würde mir das ein Gefühl von Sicherheit geben? Neben mir steht das Telefon.

Warum  klingelt  es  nicht  einfach?  Jetzt  sollte  jemand  anrufen  und  mich  aus  diesem  Wahn  reißen! Aber es klingelt nicht. Bleibt stumm. Ich lege meine linke Hand an die Tür und mit der rechten drehe ich den Schlüssel bis ich Widerstand spüre. Das Spiel geht weiter. Wut steigt in mir auf. Ich bin wütend auf mich, dass ich hier stehe. Keine Ahnung wie viel Zeit schon seit meinem Zerwürfnis mit der Wohnungstür vergangen ist. In der Küche läuft der Fernseher. Ich kann die Stimmen hören.

Ich  möchte  einfach  nur  in  der  Küche  sitzen  und  den  Film  sehen. Die  Tür  ist  zu  verdammt  nochmal.

[…]

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